Baubiologie - Pilze & Feuchtigkeit

In vielen Fachkreisen der Umweltmedizin und der Bauberatung für Neubau/ Sanierung ist heute, die Innenraumbelastung von Sporen aus Pilzen in unseren Wohnungen ein viel diskutiertes Thema.
Aufzufinden sind sie überall auf Oberflächen, in den Wänden, in der Raumluft und im Hausstaub. Sichtbar oder unsichtbar, sind sie unsere ständigen Begleiter.

Die meisten Pilze sind für Mensch und Natur nützlich. Sie verarbeiten Verdorbenes und sind Teil eines optimal funktionierenden Ökosystems. Ohne die hochwirksamen und lebensnotwendigen Pilze gäbe es keinen gesunden Humusboden und kein natürliches Recycling. Einige Bier-Brotarten, Käse- und Milchprodukte, sowie viele Medikamente wären nicht verfügbar. Überall sind Pilze in geringer Zahl zu finden. Kein Kubikmeter Luft, kein Quadratmeter Fläche und kein Gramm Staub sind pilzfrei.

Die Pilze werden grob in drei Hauptgruppen eingeteilt : Schimmelpilze (Fadenpilze), Hefepilze (Sprossenpilze) und die Hautpilze (Dermatophyten). Es gibt über 100 000 Pilzarten, zumeist Schimmelpilze, die wenigsten von Ihnen gelten als krankmachend oder gar tödlich.

Kritisch wird es, wenn die Sporenbelastung aus irgendwelchen Gründen zunimmt, wenn die Pilzarten gefährlich sind, oder das Immunabwehrsystem geschwächt ist. (z b. werden der Art Aspergillus fumigatus 18 Allergene beigemessen, Penicillium marneffi und Stachbotrys sind als besonders riskant eingestuft). Pilze gehören nicht zur normalen Flora des Menschen sie sind in einem gesunden Körper nicht zu finden. Das heißt aber nicht , dass jeder Pilznachweis in Blut, Speichel, Urin oder Schleimhäuten gefährlich ist. Menschen mit einem intakten Immunsystem sind gut darauf disponiert mit Sporen normalerweise, aus der Umwelt oder Nahrung, fertig zu werden.



Eines der Hauptprobleme bei den Schimmelpilzen ist die Bildung von Unmengen an mikroskopisch kleinen und millionenfach außergewöhnlich robusten Sporen, die in kürzester Zeit in der Raumluft vorhanden sind, sich in allen Ecken unseres Wohnumfeldes verteilen. Sie werden von uns eingeatmet und können sich verschluckt, in unseren Körpern einnisten.

Die meisten Schimmelpilzarten leben bevorzugt im Hausstaub. Ihre besten Freunde sind die Hausstaubmilben. Schimmelpilze geben zudem gasförmige Riech- bzw. Schadstoffe an die Umgebungsluft ab (MVOC, Kohlenwasserstoffverbindungen, ähnlich den Lösungsmitteln). Sie sind in der Lage, gefährliche Gifte (Mykotoxine) zu produzieren. Pilzassoziierte Krankheiten (PAK – Syndrom) können mit großer Wahrscheinlichkeit dann eintreten, wenn Menschen längere Zeit mit Antibiotika, oder mit Hormonen wie Kortison behandelt wurden, wenn die Ernährung zu einem großem Teil aus sog. „schnellen Kohlenhydraten“ wie Weizenmehl oder zuckerhaltigen Produkten und größeren Mengen an Alkohol besteht. Nach neuesten Erkenntnissen, gilt jeder vierte Deutsche als immungeschwächt. Mehr als nachdenklich machte es in den letzten Jahren, dass Schimmel- und Hefepilzinfektionen (Mykosen) rapide zugenommen haben.

Aus biologischer und medizinischer Sicht, gehören der Mund,– Magen- Darm - sowie der Bronchialtrakt und die Harngänge noch nicht zum Körperinneren. Hier halten sich die Pilze auf der Körperoberfläche auf. Sie sind aber „Trojanischen Pferden“ vergleichbar, jederzeit bereit, tiefer in den menschlichen Körper einzudringen. Eine einigermaßen intakte Abwehr der Schleimhäute kann dem „Belagerungszustand“ jedoch lange Zeit wiederstehen.

Als Mikroorganismen können Pilze verschiedene Allergien auslösen, speziell wenn sie in einer überdurchschnittlichen Keimzahl auftreten. Symptome wie Abgeschlagenheit, Augenreizungen, Blähungen, Darmentzündungen, Depressionen, der Wechsel von Durchfall zur Verstopfung, Ekzeme, Gelenkschmerzen, Gedächtnisschwäche, Juckreiz, Konzentrationsschwäche, Migräne, Parodontose, Schlafprobleme oder Husten beziehungsweise Asthma werden ihnen zugeschrieben.

Wir erinnern uns daran: 1922 starben innerhalb weniger Tage 26 englische Wissenschaftler an Lungenentzündungen, nachdem sie das Grab des ägyptischen Pharaos Tutanchamun geöffnet hatten. Die Engländer infizierten sich mit Aspergillus fumigatus, der seit Jahrhunderten problemlos im Grab überlebt hatte.

 
Fazit
Wo die Schimmelpilze verstärkt auftreten,
da kann kein Mensch auf Dauer gesund sein!

Ohne Feuchtigkeit kann kein Pilz leben. Eine Umgebungsfeuchte von 70% ist wachstumsfördernd. Muffiger Geruch zeugt steht’s von einem schlechten Raumklima, von Feuchtigkeit oder von Hygieneproblemen.

Dichte Wände , Böden, Decken, Türen und Fenster, wie in der modernen Bauweise üblich, verhindern einen wichtigen Luft - und Feuchtigkeitsaustausch. Neubauten trocknen vor dem Bezug nicht gründlich genug aus. Mangelnde Isolierung der aufsteigenden Nässe aus dem Erdreich, Wasserschäden nach Rohrbrüchen, überlaufende Toiletten und undichte Dächer etc. fördern den Pilzwuchs. Durch Kochen, Waschen, Duschen, Baden ,und nicht zu unterschätzen durch unsere Atmung, entsteht Wasserdampf, der sich an kühleren Oberflächen (z.B. Fenster, Wänden, Kältebrücken), es kommt zur Kondenswasserbildung, niederschlägt. Regelmäßiges Lüften ist wichtig. Kohlendioxid, das wir Menschen ausatmen, ist Dünger für die Pilze.

Schimmel muss nicht als Fleck oder Rasen auf der Wand sichtbar sein, um zu schaden, Ein solcher Befall ist nur die Spitze des Eisberges und hatte schon eine
lange Vorlaufzeit. Für eine Sanierung gilt an erster Stelle die sachverständige, messtechnische Erkennung ( eventuell mit einer Laboranalyse) und eine konsequente Beseitigung der Feuchtigkeitsursache. Die Baumasse muss abtrocknen.

Die Entfernung des Schimmels muss gründlich, über die Grenzen hinaus und mit Vorsicht (Atemschutz , Absaugen, Abflämmen, etc.),erfolgen. Sind einzelne Bauteile auszutauschen, z.B. der Putz, die Farbe oder Holzteile, dann sind leistungsstarke Luftreinigungsgeräte mit HEPA- Filtern gegen die Keime sehr empfehlenswert. Eine offenporige Bautechnik, beziehungsweise Baumaterialien, die Feuchtigkeit auf- und wieder abgeben können, sind anschließend grundsätzlich zu bevorzugen.

Einfrieren von Gegenstände , in der Tiefkühltruhe auf unter -20 C für ein paar Tage oder erhitzen im Backofen auf über 80 C für einige Stunden, töten alle Pilze und die meisten Sporen ab. Kein Pilz überlebt den Aufenthalt von einigen Minuten in einem eingeschalteten Mikrowellenherd.
 
 

CONSTRURAL Ulrich Spering Baubiologe IBN
Beratung -Planung- Ausführung www.construral.net

Quellenhinweise: Wolfgang Maes „Stress durch Strom und Strahlung“ -
Dr. Dirk Kuhlmann „Die Pilz-Invasion“ - Beiträge der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Forschungsinstitute Bauverlag – Beiträge in „Wohnung und Gesundheit“ Institut für Baubiologie u. Ökologie Neubeuern.

 
         
         
           
       
       

     

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Ulrich Spering, Baubiologe IBN. Apartado de correos 33, E- 38730 Villa de Mazo,
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IBN Institut Baubiologie & Nachhaltigkeit